{"id":50,"date":"2017-10-24T16:20:11","date_gmt":"2017-10-24T16:20:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/?p=50"},"modified":"2017-10-25T12:48:50","modified_gmt":"2017-10-25T12:48:50","slug":"henkel-vom-waschmittel-zum-konsumgueter-konzern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/?p=50","title":{"rendered":"Henkel \u2013 vom Waschmittel- zum Konsumg\u00fcter-Konzern"},"content":{"rendered":"<p>Henkel ist eine weitere Erfolgsgeschichte eines deutschen Familienunternehmens. Henkel Produkte d\u00fcrften in fast jedem Haushalt oder B\u00fcro zu finden sein und uns im Alltag immer wieder begegnen. Bevor wir \u00fcber die k\u00fcnftigen Aussichten sprechen, wollen wir einen Blick in die Geschichte wagen.<\/p>\n<p><strong>Fritz Henkel<\/strong> gr\u00fcndete im Herbst 1876 in Aachen die Firma Henkel &amp; Cie. zusammen mit Otto Dicker und Otto Scheffen, die beide bereits eine Fabrik f\u00fcr Wasserglas, ein wichtiger Rohstoff f\u00fcr Waschmittel und Bauindustrie, besa\u00dfen. Als erstes Produkt stellt Henkel ein Pulver-Waschmittel auf Basis von Wasserglas her, es wird als <strong>Universal-Waschmittel<\/strong> beworben und wird in handlichen P\u00e4ckchen von 200 Gramm f\u00fcr 10 Pfennig angeboten \u2013 statt, wie bei Waschmitteln damals \u00fcblich, lose. Das Unternehmen w\u00e4chst stark und verlegt 1878 seinen Sitz ins verkehrlich besser angebundene D\u00fcsseldorf. Als weiteres Produkt wird Henkels Bleich-Soda ins Programm aufgenommen, mit der wei\u00dfe W\u00e4sche nicht vergilbt sondern wei\u00df bleibt. Henkel kann erste Exporterfolge in die Schweiz vermelden. Des Weiteren werden <strong>Glanzst\u00e4rke, Putzpomade, W\u00e4schebl\u00e4ue<\/strong> und <strong>Tee<\/strong> ins Programm aufgenommen. Alle Henkel-Mitarbeiter werden in der Gemeinsamen Ort-Krankenkasse D\u00fcsseldorf versichert, sp\u00e4ter erfolgt auch eine Altersversorgung \u00fcber den Deutschen-Privat-Beamten-Verein.<\/p>\n<p>1899 erzielt Henkel erstmals \u00fcber 1Million Mark Umsatz mit seinen 79 Mitarbeitern und man expandiert an den D\u00fcsseldorfer Stadtrand Holthausen, im Zuge dessen wird eine Mittagsversorgung eingerichtet und erste Mitarbeiterwohnungen erbaut. F\u00fcr die <strong>Wasserglasproduktion<\/strong> kann Henkel mit Degussa einen Gro\u00dfabnehmer gewinnen, auch die D\u00fcngemittel <strong>Martellin<\/strong> und <strong>Floral<\/strong> verkaufen sich gut. In dieser Zeit werden auch andere bekannte Marken wie das Metallputzmittel Sidol, Hans Schwarzkopf Shampoon, die Gesichtspflege Aok (Anhalt im Ostseebad Kolberg), die spanische Pflegemarke LaToja geboren, die allerdings erst sp\u00e4ter zu Henkel finden.<\/p>\n<p><strong>1907<\/strong> ist der gro\u00dfe Meilenstein f\u00fcr Henkel. Nach langwierigen Versuchen wird das erste selbstt\u00e4tige Waschmittel namens <strong>Persil<\/strong> (Natrium<u>per<\/u>borat und Natrium<u>sil<\/u>ikat) auf dem Markt gebracht. Persil reinigt die W\u00e4sche selbstt\u00e4tig ohne das bislang m\u00fchevolle und die W\u00e4sche angreifende Reiben von Hand und kommt ohne extra Rasenbleiche aus, eine riesen Innovation und Sensation zu dieser Zeit.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des ersten Weltkrieges f\u00fchren Lieferengp\u00e4sse und Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel der Rohstoffe dazu dass Henkel an neuen Verfahren forscht. 1918 f\u00fchrt Henkel die Marke <strong>Sil<\/strong> als Nachsp\u00fclmittel ein, 1920 folgt das Putz- und Reinigungsmittel <strong>Ata<\/strong>, 1921 erfolgt die Grundsteinlegung f\u00fcr eine neue Produktionsst\u00e4tte in Genthin, in der zu DDR-Zeiten das heute bundesweit bekannte Spee Waschmittel hergestellt wurde. In Holthausen entsteht eine neue Leimfabrik, welche Malerleim <strong>Mala<\/strong> und Tapetenkleister <strong>Tapa<\/strong> auf Basis von Kartoffelmehl produziert. 1929 \u00fcbernimmt Henkel die Firma <strong>Dr. Thompson Ernst Sieglin<\/strong>, die ebenfalls sehr erfolgreich Seifenpulver wie <strong>Ozonil<\/strong> mit dem Schwanen-Logo verkauft haben, weiteres Produkt ist der Bohnerwachs <strong>Gefest<\/strong> bzw. <strong>Seifix<\/strong>.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des zweiten Weltkrieges m\u00fcssen die Waschmittel <strong>Persil<\/strong> und <strong>Fewa<\/strong> vom Marktgenommen werden. Schon vorher hatten die Nationalsozialisten Hugo Henkel entmachtet und Jost Henkel und Werner L\u00fcps eingesetzt. In dieser Zeit entwickelt Henkel die Waschmittel f\u00fcr Gro\u00dfabnehmer <strong>Dixit<\/strong> und <strong>Duxil<\/strong>. Nach zahlreichen Bombenangriffen sind viele Produktionsst\u00e4tten zerst\u00f6rt. Alle ausl\u00e4ndischen Tochtergesellschaften und Markenrechte werden unter den Siegerm\u00e4chten aufgeteilt. Unter strenger Kontrolle der Briten darf Henkel schon bald wieder mit der Produktion von Waschmitteln, Reinigungsmittel P3, Wasserglas, Klebstoffen und Schuhpflegemitteln beginnen, der Henkel-Chemiker Paul Schulz wird vor\u00fcbergehend Firmenchef, die <strong>B\u00f6hme Fettchemie<\/strong> wird von Chemnitz nach D\u00fcsseldorf verlegt, Henkel Genthin von den Sowjets enteignet.<\/p>\n<p>1947 darf die Familie Henkel ihre Firma wieder \u00fcbernehmen, in jenem Jahr kommt auch der Lederkleber <strong>Pattex<\/strong> auf dem Markt, kurz darauf die Waschmittel <strong>Perwoll<\/strong> und <strong>Lasil<\/strong>. Zum 75. Firmenjubil\u00e4um arbeiten mehr als 5400 Menschen bei Henkel, das Geschirrsp\u00fclmittel <strong>Pril<\/strong>, damals noch als Pulver, und Haarf\u00e4rbemittel <strong>Polycolor<\/strong> werden eingef\u00fchrt. Heimwerkern d\u00fcrfte <strong>Metylan<\/strong> bekannt sein, der Tapetenkleister kam 1953 auf den Markt, die Handseife <strong>Fa<\/strong> 1954, 1955 der Kontaktkleber <strong>Pattex<\/strong>, der Haushaltkleber <strong>Stabilit<\/strong> und der Metallkleber <strong>Metallon<\/strong>. 1961 \u00fcbernimmt Konrad Henkel nach dem Tod von Bruder Jost die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, von Poly erscheint die erste Heimdauerwelle <strong>Poly Lock<\/strong>, der WC-Reiniger <strong>Bif<\/strong> und der Haushaltreiniger <strong>dor<\/strong>, kurz darauf <strong>Somat<\/strong> f\u00fcr die Geschirrsp\u00fclmaschine und das Insektenmittel <strong>Paral<\/strong>. Mit dem Erwerb des Klebstoffspezialisten Sichel wird zudem das Klebstoffgesch\u00e4ft gest\u00e4rkt, <strong>Sichel<\/strong> verf\u00fcgt \u00fcber einen der ersten Gewebeklebstoffe f\u00fcr die Humanmedizin. 1966 kommen <strong>Weisser Riese<\/strong> bzw. <strong>dato<\/strong> als Spezialwaschmittel f\u00fcr weisse W\u00e4sche auf dem Markt. Zum 90 j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um besch\u00e4ftigt Henkel\u00a0in Holthausen mehr als 12000 Menschen, der Umsatz betr\u00e4gt rund 1,4Milliarden DM. In den Folgejahren kommen der <strong>Prit<\/strong> Klebestift, <strong>WC-Frisch<\/strong>, der Weichsp\u00fcler <strong>Vernell<\/strong>, <strong>Creme 21<\/strong>, <strong>Fa<\/strong> Schaumbad und Deo, das Handgeschirrsp\u00fclmittel <strong>Dixi<\/strong>, die Zahncreme <strong>Perdent<\/strong> und <strong>Thera-med<\/strong> und der Haushaltreiniger <strong>Der General<\/strong> auf dem Markt. Durch eigenes Wachstum und \u00dcbernahmen betr\u00e4gt der Henkel-Umsatz 1976 zum Hundertj\u00e4hrigen bereits \u00fcber 5,1 Milliarden DM. 1983 wird die Hautpflegemarke <strong>Aok<\/strong> \u00fcbernommen, 1988 \u00fcberspringt der Konzernumsatz die 10 Milliarden Mark. 1990 werden die Waschmittelwerke Genthin (<strong>Spee<\/strong>)wieder Teil von Henkel, ein Jahr sp\u00e4ter \u00fcbernimmt Henkel <strong>Teroson<\/strong>, einen Spezialisten f\u00fcr Klebstoffe und Oberfl\u00e4chentechnik. 1995 \u00fcbernimmt Henkel Hans <strong>Schwarzkopf<\/strong> mit den Marken <strong>Schauma<\/strong>, <strong>Drei Wetter Taft<\/strong>, <strong>Gliss<\/strong>, <strong>Bac<\/strong>, <strong>Kaloderma<\/strong>, <strong>Hattric<\/strong>.<\/p>\n<p>Das Produktangebot wird immer weiter entwickelt und aufgef\u00e4chert. Dabei werden auch \u00f6kologische Aspekte und Aktion\u00e4rsrechte ber\u00fccksichtigt. 1996 wird Henkel f\u00fcr sein Investors Relation ausgezeichnet, kurze Zeit sp\u00e4ter erh\u00e4lt man einen \u00d6kologie-Preis und wird in den Nachhaltigkeitsindex DJ Sustainability Index aufgenommen. Im Jahr 2000 wird Henkel offizieller Klebstofflieferant f\u00fcr das <strong>Space Shuttle<\/strong> Raumschiff, konzernweit besch\u00e4ftigt man inzwischen 61000 Mitarbeiter weltweit, Ulrich Lehner \u00fcbernimmt das Ruder bei Henkel. Im Jahr 2004 kommt es zu gr\u00f6\u00dferen \u00dcbernahmen der US-Mitbewerber Dial (K\u00f6rperpflege) und ARL (Haarpflege) u.a. auch der US-Trendmarke <strong>Got2b<\/strong>, kurz darauf noch von Right Guard.<\/p>\n<p>Im Jahr 2007 b\u00fcndelt man die Gesch\u00e4ftsbereiche zu Laundry &amp; Home Care, Beauty Care und Adhesive Technologies. 2008 erwirbt man die Klebstoff- und Elektroniksparte von Starch Akzo Nobel, die bis dato gr\u00f6\u00dfte Akquisition. Ein anderer Meilenstein, in Dubai wird der gr\u00f6\u00dfte Parkettboden der Welt im <strong>Burj Khalifa<\/strong> mit Henkel Klebstoffen verklebt. Zum 111. Schwarzkopf Jubil\u00e4um kommt die erste ammoniakfreie Coloration auf dem Markt, die Beauty-Care Marke <strong>Syoss<\/strong> wird im Einzelhandel eingef\u00fchrt. Im Automobilbau ersetzt immer h\u00e4ufiger Kleben das bisherige Schwei\u00dfen, davon kann Henkel profitieren und geht Joint Venture mit BASF ein. 2016 hat man seine Stellung in den USA gest\u00e4rkt und den Waschmittelhersteller <strong>Sun Products<\/strong> \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Im Jahr 2016 erzielte Henkel mit 51000 Mitarbeitern weltweit 18,7 Milliarden Euro Umsatz und dabei einen Gewinn von 3,2 Milliarden Euro, was einem Gewinn pro Aktie von 5,36Euro entspricht. Die <strong>Dividende<\/strong> pro Aktie stieg in den letzten f\u00fcnf Jahren von 0,95Euro auf <strong>1,62Euro je Aktie<\/strong>. Die Dividendenrendite ist jetzt nicht sehr hoch, das Unternehmen ist auch nicht besonders g\u00fcnstig bewertet, aber die langfristige nachhaltige Unternehmenspolitik mit den vielen bekannten Marken und hohen Margen und attraktive Akquisitionen sprechen f\u00fcr das Unternehmen. In den Medien wird oft die Vorzugsaktie erw\u00e4hnt, f\u00fcr langfristig handelnde Privatanleger ist aber eher die Henkel-Stammaktie interessant, da sie billiger ist und eine h\u00f6here Dividendenrendite bietet.<\/p>\n<p>1997 hat Henkel zusammen mit der DWS den <strong>L\u00f6wen-Aktienfonds<\/strong> aufgelegt um die Verm\u00f6gensbildung bei den Arbeitnehmern besser zu f\u00f6rdern. Der Fonds investiert weltweit in gro\u00dfe bekannte Unternehmen und konnte seit Beginn eine durchschnittliche Rendite von 7,9% j\u00e4hrlich erzielen und hat nur sehr geringe Kosten. Der L\u00f6wen-Aktienfonds ist auch f\u00fcr Nicht-Henkel-Mitarbeiter erh\u00e4ltlich und vor allem bei <strong>VL-Sparern<\/strong> sehr beliebt.<\/p>\n<p>Vor wenigen Wochen ist Gabriele Henkel, die Ehefrau des langj\u00e4hrigen Firmenchefs Konrad Henkel, verstorben. Sie war vor allem als Kunstm\u00e4zenin bekannt und f\u00fcr ihre kunstvollen Tischdekorationen, die zahlreiche Ber\u00fchmtheiten aus aller Welt in ihrem Haus zu besonderen Anl\u00e4ssen bewundern durften. Auch heute noch ist die Familie Henkel der wichtigste Ankeraktion\u00e4re der Firma und hat dies auch f\u00fcr die Zukunft fest zugesagt. Dies spricht ebenfalls f\u00fcr eine weiterhin gute nachhaltige Unternehmensentwicklung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-51\" src=\"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/henkelchart.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"567\" srcset=\"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/henkelchart.jpg 800w, http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/henkelchart-300x213.jpg 300w, http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/henkelchart-768x544.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<p>Die Deutschlandrente ist via Indexfonds in Henkel investiert. Die Kurzinformation ist jedoch nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen, sondern dient lediglich zur allgemeinen Information.<br \/>\n(Quelle Henkel Historie: Henkel Chronik 140 Jahre).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Henkel ist eine weitere Erfolgsgeschichte eines deutschen Familienunternehmens. Henkel Produkte d\u00fcrften in fast jedem Haushalt oder B\u00fcro zu finden sein und uns im Alltag immer wieder begegnen. Bevor wir \u00fcber die k\u00fcnftigen Aussichten sprechen, wollen wir einen Blick in die Geschichte wagen. 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