{"id":45,"date":"2017-10-10T12:50:08","date_gmt":"2017-10-10T12:50:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/?p=45"},"modified":"2017-10-10T12:50:08","modified_gmt":"2017-10-10T12:50:08","slug":"thyssenkrupp-vom-stahlkocher-zum-technologiekonzern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/?p=45","title":{"rendered":"thyssenkrupp \u2013 vom Stahlkocher zum Technologiekonzern"},"content":{"rendered":"<p><strong>thyssenkrupp<\/strong> hat bereits eine bewegende Geschichte hinter sich und macht auch aktuell durch die Ausgliederung der Stahlsparte wieder von sich reden. Der Konzern entstand 1999 durch den Zusammenschluss der ehemaligen Familienunternehmen Thyssen und Hoesch-Krupp, deren Urspr\u00fcnge gehen jedoch bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Familie Hoesch begann Anfang des 19. Jahrhunderts mit mehreren metallverarbeitenden Betrieben in der Eifel unternehmerisch t\u00e4tig zu werden. Leopold Hoesch und seine S\u00f6hne und Vetter gr\u00fcndeten 1871 in Dortmund im aufstrebenden Ruhrgebiet mit seinen reichhaltigen Kohlevorkommen die <strong>Eisen- und Stahlwerk Hoesch AG<\/strong>. Das Unternehmen \u00fcberstand einige Aufs und Abs und konnte durch \u00dcbernahmen weiter wachsen und fusionierte 1966 mit der Dortmund-H\u00f6rder H\u00fcttenunion, was Hoesch zu dieser Zeit zum gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber in der Region machte, fast jeder 5. Arbeiter war ein Hoeschianer. Heute kann an der Westfalenh\u00fctte im Hoesch-Museum <a href=\"http:\/\/www.pixelkontor.de\/virtur\/VR360Hoesch-Museum\/\">http:\/\/www.pixelkontor.de\/virtur\/VR360Hoesch-Museum\/<\/a> der damalige Auf- und Abstieg der Stahlindustrie nachvollzogen werden. Hoesch geh\u00f6rte zu den ersten die bereits 1957 zusammen mit Anderen eine Softwarefirma, die mbp, gr\u00fcndeten, die heute zu EDS\/Hewlett Packard geh\u00f6rt. Etwas bekannter d\u00fcrfte die Hoesch-Tochter <strong>O&amp;K Orenstein &amp; Koppel<\/strong> sein, die viele Jahre lang Feldbahnen, Radlader und Bagger f\u00fcr den Bergbau aber auch Rolltreppen f\u00fcr viele Kaufh\u00e4user gebaut haben. Durch eine feindliche \u00dcbernahme im Jahr 1991 durch Krupp endete die Eigenst\u00e4ndigkeit der Hoesch AG.<\/p>\n<p>Die Geschichte der <strong>Krupp AG<\/strong> begann 1811 als Friedrich Krupp zusammen mit seinen Br\u00fcdern die Gussstahlfabrik in Essen gr\u00fcndete. Bereits 1799 hatte Helene Amalie Krupp die <strong>Gutehoffnungsh\u00fctte<\/strong> erworben. Krupps Ansehen stieg durch einen Auftrag vom preu\u00dfischen M\u00fcnzamt, wichtigste Produkte waren aber zun\u00e4chst Schneidwerkzeuge, S\u00e4gen und Klingen. Nach dem Tod Friedrichs \u00fcbernahm der Sohn Alfred das Zepter. Das Wachstum der Eisenbahn befeuerte auch die Gesch\u00e4fte von Krupp, der von Krupp entwickelte nahtlose Radreifen war bahnbrechend und Krupp besch\u00e4ftigte Mitte des 19. Jahrhunderts mehr als 1000 Menschen, um 1870 geh\u00f6rte Krupp zu den gr\u00f6\u00dften Industrieunternehmen Europas. Das starke Wachstum f\u00fchrte dazu, dass Krupp f\u00fcr seine Arbeiter Wohnungen baute, und auch eine der ersten Betriebs-Krankenkassen und Pensionskasse gr\u00fcndete. Auch in den Folgejahren wuchs Krupp weiter kr\u00e4ftig, 1910 arbeiteten bereits \u00fcber 67000 Menschen f\u00fcr den Krupp-Konzern, allein die Fl\u00e4che des Werksgel\u00e4ndes in Essen soll 5 Quadratkilometer gro\u00df gewesen sein. Nach dem 1. Weltkrieg, in dem Krupp vor allem R\u00fcstungsg\u00fcter herstellte, wurden dem Unternehmen zahlreiche Gesch\u00e4fte untersagt, man konzentrierte sich zun\u00e4chst auf den Lokomotiven- und Waggonbau mit rund 25000 Arbeitern. Durch die Wiederaufnahme der R\u00fcstungsg\u00fcterproduktion vor und w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges wuchs das Unternehmen wieder stark und besch\u00e4ftigte mehr als 100000 Menschen. <strong>Alfried Krupp von Bohlen und Halbach<\/strong> war begeisterter Segler und holte 1936 mit seiner Crew die olympische Bronzemedaille. Das Krupps Werksgel\u00e4nde wurde w\u00e4hrend des Krieges weitgehend zerst\u00f6rt bzw. von den Alliierten abgebaut. Der Wiederaufbau der Firma ist weitgehend mit dem Namen <strong>Berthold Beitz<\/strong> verbunden, der die Krupp AG wieder zu einem f\u00fchrenden Stahlproduzenten formte. 1999 erfolgte die Fusion mit Thyssen.<\/p>\n<p>1867 gr\u00fcndet August Thyssen in Duisburg mit den wallonischen Industriellen Bicheroux die heute nicht mehr existierende Firma Thyssen, Fossoul &amp; Co.. Die Firma stellte Bandeisen her, das f\u00fcr Fassreifen, zum Beschlagen von Kisten, zum Packen von Ballen u. a. m. verwendet wird. Nach nur vier Jahren verl\u00e4sst Thyssen das Unternehmen, um sich selbstst\u00e4ndig zu machen. Zusammen mit seinem Vater gr\u00fcndet August Thyssen am 1. April 1871 in Styrum bei M\u00fclheim an der Ruhr die Firma <strong>Thyssen &amp; Co<\/strong>., die zun\u00e4chst Bandeisen walzt. Nach dem Tod des Vaters 1877 tritt Augusts j\u00fcngerer Bruder Joseph in das Unternehmen ein. Thyssen &amp; Co. betreibt zun\u00e4chst nur ein Stahl- und Bandeisenwalzwerk. In der folgenden Zeit erweitern die Br\u00fcder ihr M\u00fclheimer Werk um ein Stahlwerk, ein R\u00f6hren- und ein Blechwalzwerk mit Verzinkerei, eine Gie\u00dferei und eine Maschinenbauabteilung. Heute geh\u00f6rt das Werk zur <strong>Mannesmannr\u00f6hren-Werke AG<\/strong> als Teil der Salzgitter AG. Nach und nach kauften die Thyssen-Br\u00fcder Anteile an der <strong>Steinkohlenzeche Deutscher Kaiser<\/strong> und \u00fcbernahmen diese 1891 komplett, um diese zu einer H\u00fcttenzeche auszubauen und Stahl- und Walzwerke zu errichten, welche sich auch heute noch in <strong>Hamborn\/Duisburg<\/strong> befinden. Das starke Wachstum und Arbeitskr\u00e4ftemangel f\u00fchrte dazu dass auch die GDK Gewerkschaft Deutscher Kaiser, Thyssen Wohnungen f\u00fcr ihre Arbeiter bauen lie\u00df. Nach dem ersten Weltkrieg, bei dem auch Thyssen R\u00fcstungsg\u00fcter produzierte, wurden die Auslandsbeteiligungen enteignet. \u00dcberkapazit\u00e4ten und der Tod August Thyssens f\u00fchrten letztlich zur Fusion zu den <strong>Vereinigte Stahlwerke AG<\/strong> im Jahr 1926. Nachdem sich Fritz Thyssen gegen die Politik des Deutschen Reiches stellt, wird er inhaftiert und seine Beteiligung verstaatlicht, durch diesen Staatseinfluss wird die R\u00fcstungsproduktion in den Vereinigten Stahlwerken ausgebaut. Ende des zweiten Weltkrieges wird die Thyssenh\u00fctte stark besch\u00e4digt, die noch funktionierenden Betriebsteile werden 1947 von den Alliierten demontiert und die Vereinigten Stahlwerke liquidiert. Nach dem Wegfall der Produktionsbestimmungen konnte 1951 der erste Hochofen der Thyssenh\u00fctte wieder angefahren werden, und <strong>1953 als August Thyssen- H\u00fctte AG<\/strong> wieder neu starten. Zun\u00e4chst lag der Schwerpunkt auf Halbzeug, Profil- und Flachstahl, sp\u00e4ter kam Walzdraht und Stabstahl, sowie nach der \u00dcbernahme der Deutsche Edelstahl, auch Edel- und Qualit\u00e4tsst\u00e4hle dazu. Durch weitere \u00dcbernahmen ist Mitte der 1960er Jahre die August Thyssen-H\u00fctte AG der gr\u00f6\u00dfte europ\u00e4ische Rohstahlerzeuger und steht mit ihrer Rohstahlproduktion weltweit an f\u00fcnfter Stelle. Die Fusion 1973 von August Thyssen-H\u00fctte AG und <strong>Rheinstahl AG<\/strong> verst\u00e4rkt die Erzeugungs- und Verarbeitungskapazit\u00e4ten von Eisen, Stahl und Edelstahl, gleichzeitig etabliert sie eine umfangreiche, konzerneigene Industrieg\u00fcterfertigung mit den Bereichen Lokomotiv-, Maschinen-, Schiff- und Waggonbau sowie Bau- und W\u00e4rmetechnik, eine Entwicklung zum Mischkonzern beginnt, um die Konjunkturabh\u00e4ngigkeit vom Stahl abzufedern. Sp\u00e4ter wurden u.a. der Automobilezulieferer Budd, der Werkzeugmaschinenhersteller Giddings &amp; Lewis und Aufzughersteller Dover Elevators \u00fcbernommen, die sich sehr gut mit den eigenen Aufzugsfirmen Rheinstahl Eggers-Kehrhahn Hamburg und R. Stahl Stuttgart erg\u00e4nzten. Im Rahmen einer Umstrukturierung f\u00fchrt dies 1996 zur Konzentration auf die Kerngesch\u00e4ftsfelder Aufz\u00fcge, Automobilzulieferungen, Flachstahlerzeugung, Produktionssysteme und der Werkstoffhandel und zu einer Portfolio-Bereinigung durch den Verkauf einiger Unternehmen. 1997 beginnen Fusionsverhandlungen mit Krupp, die 1999 durch den Handelsregistereintrag vollendet wird.<\/p>\n<p>Ein Meilenstein der neuen <strong>thyssenkrupp AG<\/strong> ist sicherlich die Jungfernfahrt des hochgelobten <strong>Transrapid<\/strong> im Jahr 2002 im chinesischen Shanghai, aber auch eine Niederlage f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Deutschland, wo man es jahrelang nicht geschafft hat die Hightech-Magnetschwebebahn durchstarten zu lassen. Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die Wandlung zum modernen Technologiekonzern ist die Aufzugsparte, die weltweit hohe Anerkennung genie\u00dft und weiter hohes Wachstum verspricht. Zusammen mit der Deutschen Post arbeitet man an einem Elektro-Transporter mit dem die Pakete emissionsfrei zu den Haushalten transportiert werden k\u00f6nnen. Die thyssenkrupp <strong>Bilstein<\/strong> liefert das Fahrwerk, zeigt aber auch im Motorsport wie in 24-Stunden-Rennen oder Nascar-Rennen seine Qualit\u00e4t. Auch f\u00fcr den Elektroautopionier <strong>Tesla<\/strong> baut Bilstein Fahrwerksteile. F\u00fcr verschiedene Autohersteller ist thyssenkrupp Lieferant von Nockenwellen, Kurbelwellen, verschiedenen Werkstoffen und hat besondere Kompetenzen im Leichtbau und hochwertigen St\u00e4hlen. Auch f\u00fcr die Luftfahrtindustrie liefert man leichte und hochfeste Materialen, wie auch f\u00fcr die Bauindustrie hochfeste St\u00e4hle. Im Bereich der Elektromobilit\u00e4t entwickelt man neue Batteriekonzepte und die <strong>Wasserstoff-Elektrolyse<\/strong>. Bei <strong>Windr\u00e4dern<\/strong> sind die Gro\u00dfw\u00e4lzlager ein wichtiges Bauteil. Auch in diversen Haushaltsger\u00e4ten oder Verpackungen findet man thyssenkrupp Produkte wieder. Im Bereich Schiffbau ist thyssenkrupp einer der f\u00fchrenden global agierenden Systemanbieter f\u00fcr U-Boote und Marineschiffe.<\/p>\n<p>Aktuell arbeiten rund 160000 Besch\u00e4ftigte f\u00fcr den thyssenkrupp Konzern in \u00fcber 80 L\u00e4ndern. Den gr\u00f6\u00dften Ergebnisanteil liefert derzeit mit rund 40% die Aufzugsparte, etwa je 20% tr\u00e4gt Automotive und Werkstoffhandel bei. Die wettbewerbsintensive und konjunkturabh\u00e4ngige Stahlsparte spielt eine immer unwichtigere Rolle im Konzern und soll deswegen in einem<strong> Joint Venture mit Tata Steel<\/strong> ausgegliedert werden, um damit Kosten und Risiken zu senken und Synergien zu heben. Das neue Stahlunternehmen w\u00e4re mit 48000 Mitarbeitern und 15Mrd. Umsatz dann die Nummer 2 in Europa hinter ArcelorMittal. F\u00fcr den vom Stahl befreiten thyssenkrupp Konzern w\u00e4re dann der Weg frei zu einem <strong>modernen Technologieunternehmen<\/strong> mit entsprechend h\u00f6herer Aktienbewertung. Bei den Stahlarbeitern d\u00fcrfte die Stahlfusion gemischte Gef\u00fchle ausl\u00f6sen, auf der einen Seite entsteht ein st\u00e4rkeres Unternehmen welches den chinesischen und koreanischen Billiganbietern besser trotzen kann und 48000 Arbeitspl\u00e4tze sichert, aber auf der anderen Seite auch rund 4000 Arbeitspl\u00e4tze kosten wird. Noch blockieren Gewerkschafter und Betriebsrat die Stahlfusion, was aber weniger an der Sinnhaftigkeit liegt, sondern eher daran dass das neue Unternehmen in Holland sitzen soll, und damit die Gewerkschaft ihre Macht verlieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zuletzt wurde 0,15Euro je Aktie als Dividende ausgesch\u00fcttet, was in etwa einem Viertel des Gewinns entspricht. Der Umbau der Essener zum Technologiekonzern bietet Phantasie und Aussicht auf geringere Verschuldung, h\u00f6here Gewinne und einer zuk\u00fcnftig h\u00f6heren Dividende und Dividendenrendite.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-46\" src=\"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/thyssenchart.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"567\" srcset=\"http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/thyssenchart.jpg 800w, http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/thyssenchart-300x213.jpg 300w, http:\/\/blog.deutschlandrente.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/thyssenchart-768x544.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<p>Die Deutschlandrente ist via Indexfonds in thyssenkrupp investiert. Die Kurzinformation ist jedoch nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen, sondern dient lediglich zur allgemeinen Information.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>thyssenkrupp hat bereits eine bewegende Geschichte hinter sich und macht auch aktuell durch die Ausgliederung der Stahlsparte wieder von sich reden. Der Konzern entstand 1999 durch den Zusammenschluss der ehemaligen Familienunternehmen Thyssen und Hoesch-Krupp, deren Urspr\u00fcnge gehen jedoch bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcck. Die Familie Hoesch begann Anfang des 19. 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